Bildungsmauern einreißen!

Systemfehler – Warum unser Schulsystem geändert werden muss

Seit der Pisa-Studie ist nun fast allen klar. Die Bildungschancen in Deutschland sind ungleich verteilt. Die Chancen für Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen und sozial schwachen Haushalten die Schule mit dem Abitur abzuschließen, sind wesentlich geringer als für Jugendliche aus Familien deren Eltern das Abitur oder einen Hochschulabschluss haben und in einem gut bezahlten Job arbeiten. Noch stärker sinken die Chancen, wenn die Kinder einen Migrationshintergrund aufweisen, d.h. wenn sie oder ihre Eltern nicht in Deutschland geboren sind.

In Berlin ist dies nicht anders. Besonders in den Innenstadtbezirken, die eine schlechtere Sozialstruktur als die Außenbezirke aufweisen, verlassen viele Schülerinnen und Schüler die Schule mit einem Hauptschulabschluss oder keinen Abschluss. Dementsprechend haben viele dieser Jugendlichen Probleme einen Ausbildungsplatz zu finden. Da stellt sich die Frage, ob es gerecht ist, dass die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen so stark von der Bildung und sozialen Status der Eltern abhängen?

Natürlich ist dies nicht gerecht, aber was kann man verändern, damit es besser wird? Für uns Jusos ist klar, dass mehr Chancengleichheit in unseren Bildungssystem nur mit mehr individueller Förderung und der Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems zu schaffen ist. Dabei muss allen klar sein, dass Bildung und individuelle Förderung nicht erst in der Schule anfängt. Der Kindergarten darf keine reine Betreuungsanstalt bleiben, sondern muss in einer kindgerechtren Art und Weise, die Grundlagen für den späteren Bildungsweg vermitteln. Damit davon auch alle profitieren, kämpfen wir für die Gebührenfreiheit der Kindergartenplätze. Der Senat hat den ersten Schritt in diese Richtung schon getan und beschlossen, dass ab Januar das letzte Kitajahr gebührenfrei wird.

Gleichzeitig bedarf es aber einen Systemwandel in der Schulstruktur. Die frühe Selektion durch das dreigliedrige Schulsystem, das die Kinder früh auf die verschiedenen Schultypen aufteilt, lässt kaum Raum für spätere Korrekturen. Die Einführung einer Schule für alle würde mehr Chancengleichheit schaffen. Damit würde das dreigliedrige Schulsystem abgeschafft und die Gesamtschule als einzige Regelschule etabliert. Ziel ist es, die Zeit des gemeinsamen Lernens zu verlängern und neue Lern- und Lehrformen zu etablieren. Dabei wir durch die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler ihr Leistungspotential ausgeschöpft und stetig verbessert. Leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler werden in ihrer Entwicklung nicht behindert, sondern bekommen ihrer Leistung entsprechende Aufgaben zugeteilt. Gleichzeitig sollen sie aber auch den schwächeren in ihrer Gruppe helfen. Die schwächeren Schülerinnen und Schüler profitieren von der individuellen Förderung und der Reduzierung der eintönigen Wissensvermittlung.

Die Einführung der Gesamtschule für alle wird natürlich nicht sofort alle Probleme lösen können und der Prozess der kompletten Umstellung würde sicherlich einige Zeit dauern. Aber die Erfahrungen aus Skandinavien haben gezeigt, dass sich die Gesamtschule positiv auf die Entwicklung von Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Schichten auswirkt.

Auch wenn die Berliner SPD noch zögert, die Gesamtschule als Zukunftsprojekt anzuerkennen, werden wir weiter versuchen, Mehrheiten in der Partei für dieses Projekt zu organisieren. Es ist ein Gebot der sozialen Gerechtigkeit, die besten Vorraussetzungen für alle zu schaffen, egal welcher sozialen und ethischen Herkunft, damit das gute Leben nicht nur für eine kleine Schicht Realität wird.

Vielen Dank für dein Interesse.
Deine Jusos Tempelberg