Aus statt Bildung?

Warum die Ausbildungsplatzumlage weiterhin notwendig ist

Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist einer der entscheidenden Faktoren, wenn es darum geht als junger Mensch den Einstieg in das Berufsleben zu finden. Denn von den rund 612.000 im Jahresdurchschnitt 2005 arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren hatten 49,6% keinen beruflichen Abschluss. Gleichzeitig wird es jedoch immer schwieriger eine Ausbildungsstelle zu finden. Im September 2005, also zu dem Zeitpunkt an dem normalerweise das Ausbildungsjahr losgeht, kamen immer noch auf eine unbesetzte Stelle in den Neuen Bundesländer 13 BewerberInnen, in den Alten Bundesländern waren es zumindest noch drei. Insgesamt verließen im letzten Jahr rund 950.000 Schülerinnen und Schüler die Schule, viele Tausend aus dem Vorjahr versuchten erneut ihr Glück auf dem Ausbildungsmarkt. Gleichzeitig erhielten jedoch nur 550.00 einen Ausbildungsplatz. Diese Diskrepanz wird sich zumindest bis 2008 nicht verändern, wenn nichts dagegen getan wird. Erst dann ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Schulabgänger zurückgeht.

Doch was passiert mit denjenigen, die keinen Ausbildungsplatz finden? Ihnen bleibt nur die Möglichkeit, sich entweder einen Studienplatz oder einen schlecht bezahlten Job zu suchen oder aber eine Berufsvorbereitungsmaßnahme (im Jahresdurchschnitt 2004 knapp 100.000) des Arbeitsamts anzunehmen. Inzwischen absolvieren knapp 40% aller SchulabgängerInnen eine Berufsberatung und –vorbereitung durch das Arbeitsamt. Trotz aller PISA-Debatten und der Kritik an den Fähigkeiten von Schul-abgängern ist kaum anzunehmen, dass all diese Jugendlichen ausschließlich selber daran Schuld sind, wie immer wieder behauptet wird. Vielmehr haben wir es mit einem massiven Mangel an betrieblichen Ausbildungsplätzen zu tun, wodurch das international gelobte duale System der Berufsausbildung zu zerreißen droht.

Die Bundesregierung setzt als Gegenmaßnahme seit Jahren auf Appelle, ohne dass etwas dabei herauskommt. Es ist schon fast Hohn, dass Bundeswirtschaftsminister Glos angesichts der Bilanz auf dem Ausbildungsmarkt von einem Erfolg des Ausbildungspakts zwischen der Bundesregierung und der Wirtschaft spricht. Denn obwohl im vergangenen Jahr einige tausend neue Ausbildungsplätze im Rahmen des Ausbildungspakts eingeworben wurden, ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2005 um 4% zurückgegangen. Da dies auch vom Arbeitsamt und dem Bundeswirtschaftsministerium erkannt wurde, werden die im Ausbildungspakt neu geschaffenen Einstiegsqualifizierungen für Jugendliche (EQJ) als großer Erfolg verkauft. Angeblich „nicht ausbildungsfähige Jugendliche“ leisten dabei mehrmonatige Praktika zu einem kläglichen Monatslohn von 192 Euro ab, um im Idealfall Hemmnisse abzubauen und von dem Betrieb in eine reguläre Ausbildung übernommen zu werden. Seltsam nur, dass rund die Hälfte der bisherigen in EQJs vermittelten Ju-gendlichen mit angeblichen Hemmnissen mindestens einen Realschulabschluss oder teilweise sogar Abitur haben. Da wird das Einstiegspraktikum schnell zum mehrmonatigen Auswahlverfahren, bei dem die Jugendlichen voll im Betrieb eingesetzt wer-den und die Qualifizierung benachteiligter Jugendlicher unter den Tisch fällt.

Aus diesen Gründen fordern wir Jusos auch weiterhin eine Ausbildungsplatzumlage für Betriebe, die sich nicht an der Berufsausbildung beteiligen. Dabei werden alle Betriebe über zehn Angestellte und über zwei Jahre Bestehen in einen Ausbildungsplatzumlage-Fonds (AuF) eingebunden. Als Richtwert gilt eine Ausbildungsquote von fünf Prozent der ArbeitnehmerInnen im Betrieb, wobei der Richtwert am aktuellen Bedarf an Ausbildungsplätzen angepasst werden kann. Wer weniger ausbildet muss Zahlungen an den Fonds leisten, die sich an den branchenüblichen Kosten der Ausbildung orientieren. Das Geld wird anschließend an Betriebe ausgezahlt, die überdurchschnittlich ausbilden sowie an überbetriebliche Ausbildungsstätten wie die bereits heute existierenden Berufsbildungszentren. Gefördert werden soll auch die Verbundausbildung, bei der sich mehrere Betriebe zur Ausbildung Jugendlicher zusammen tun.

Wir Jusos bleiben bei unserer Forderung: Wer nicht ausbildet, wird “umgelegt”!

Vielen Dank für dein Interesse.
Deine Jusos Tempelberg